Ein Update aus meiner #REHA-lität…
In zwei Wochen ist es soweit.
Teil 1 meiner Reise geht in die Endphase. Und was soll ich sagen: Das ist crazy.
Am Anfang ging die Zeit überhaupt nicht vorbei. Dann zog sie sich wie zäher Kaugummi. Und jetzt, kurz vor Schluss, rast plötzlich alles.

🏎️ Letzte Abenteuer mit meinen Homies ❤
Mit meinen Homies planen wir für das letzte Wochenende noch ein kleines Abenteuer:
Kartfahren in Wuppertal.
Und weil ich dort noch nie wirklich war (außer mal auf der Durchreise), steht noch etwas auf meiner Liste: Schwebebahn fahren.
Darauf freue ich mich richtig.
Außerdem planen wir noch einen letzten Wandertag, um diese schöne Natur hier noch einmal bewusst zu genießen und zu erkunden, bevor diese Phase endet. Und natürlich: Tischtennis Games – mit meinem Girl R. 2-gether oder auch in der Gruppe „Chinesisch“ aka Rundlauf 😍

🎤 Wie Abschied hier eigentlich abläuft
Viele fragen sich vielleicht: Wie endet so eine Reha eigentlich?
Also… angenommen, man geht mit Behandlungserfolg und wird nicht vorher „rausgeworfen“. 😅
Dann gibt es die große Vollversammlung.
Ich stehe dort vor allen Rehabilitanten und auch vor dem gesamten Personal und erzähle:
- wie meine Zeit hier war
- was ich gelernt habe
- was ich mitnehme
Danach dürfen die anderen mir Feedback geben.
Wohlwollend. Ehrlich. Respektvoll.
Und dann kommt auch noch das Personal dran:
Bezugstherapeutin, Sporttherapeuten, Arbeitstherapie, medizinisches Team. Alle geben ihren Senf dazu.
Ich bin ehrlich:
Ich bin sehr gespannt, wie sich das anfühlen wird. Und natürlich auch was zu mir und meiner Entwicklung gesagt wird!
Und zusätzlich gibt es noch Abschiede:
- in meiner Bezugsgruppe
- in der Frauengruppe
Auch dort Feedback, Worte, Rückblick.
Meine Worte muss ich mir noch gut überlegen.
☠️ Tausend kleine Tode
Ich glaube, ich bin in der letzten Zeit tausend kleine Tode gestorben, als wir meine Beziehung zu meinem weiblich austragendem Elternteil – und auch meiner Kindheit – bearbeitet haben.
Dieses Thema ist für mich noch lange nicht abgeschlossen.
Und vermutlich wird es das auch nie ganz sein.
Meine Aufgabe letzte Woche war: Parallelen zwischen meinem weiblich austragenden Elternteil und mir zu finden und zu benennen.
Und ehrlich?
Das hat mir kurz den Boden unter den Füßen weggezogen.
Es gibt tatsächlich Parallelen.
Manche schwächer.
Manche stärker.
Und manche Dinge habe ich bereits hinter mir gelassen.
Ich habe alles sehr genau angeschaut:
- differenziert
- akzeptiert
- eingeordnet
Und ich weiß jetzt besser, woran ich noch arbeiten möchte.
Das hat mich erschreckt.
Aber gleichzeitig auch stolz gemacht.
Weil ich hinschaue – statt wegzulaufen.
Der große Unterschied
Meine Therapeutin und ich vermuten bei meiner Mutter eine antisoziale Persönlichkeitsstruktur.
Diagnostiziert wurde das nie.
Aber während ich mich damit beschäftigt habe, wurde mir etwas klar: Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen uns.

Und irgendwann hatte ich einen Gedanken: Vielleicht hatten manche Menschen früher recht, als sie sagten
„Du bist wie deine Mutter.“
Heute weiß ich: Nein. Ganz sicher nicht.
Viele dieser Aussagen kamen von Menschen, die mich klein halten wollten, verletzt waren.
Und heute sehe ich das klarer.
Ich fühle mich ein bisschen wie ein Phönix.
Der langsam aus der Asche steigt.
Oder zumindest gerade dabei ist.

Heilung ohne Verzeihen
Lange dachte ich, Heilung bedeutet: verzeihen.
Aber ich habe verstanden:
Das stimmt nicht für jede Geschichte.
Meine Heilung beginnt nicht mit Vergebung.
Sondern mit Wahrheit.
Mit dem klaren Satz: Das war Missbrauch.
Nicht kompliziert.
Nicht schwierig.
Nicht beidseitig.
Sondern Missbrauch.
Diese Klarheit hat mir etwas zurückgegeben:
meine innere Autorität.
Ich habe den Kontakt schon vor langer Zeit abgebrochen – nicht aus Härte.
Sondern aus Selbstschutz.
Und vielleicht ist das die ehrlichste Form von Frieden: Nicht Versöhnung mit dem, was war.
Sondern die Entscheidung, es nicht weiter in mir wirken zu lassen.

🫨 EMREG – Emotionen endlich verstehen
Eine Gruppe, die mir extrem hilft, ist die Emotionsregulationsgruppe.
Meine wichtigste Erkenntnis dort: Hinter jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis.
Ich habe angefangen, viele Situationen aus meinem Leben neu anzuschauen:
Meine Wut.
Meine Ausraster.
Meine Unsicherheiten.
Meine Ängste.
Und plötzlich ergibt vieles mehr Sinn.
Eine Übung dort heißt:
Die Emotions-Zwiebel.

Schicht für Schicht schauen wir:
Was steckt wirklich dahinter?
Und ich lerne gerade etwas sehr Wichtiges:
Alle meine Gefühle dürfen da sein.
Sie haben eine Daseinsberechtigung.
Auch wenn sie manchmal laut sind. Unberechenbar oder unbequem.


👩🏼💻 Zukunftsaussichten – und ein mutiger Schritt
Es gibt hier eine neue Maßnahme der Rentenversicherung.
Die zentrale Frage:
Wie arbeitsfähig ist der Rehabilitant?
Bei mir wurde kein Förderbedarf festgestellt.
Aber dennoch wollten sie sehen, wie ich mich bewerbe.
Also habe ich eine Bewerbung für den öffentlichen Dienst in Berlin geschrieben.
Und wisst ihr was?
Ich habe sie wirklich abgeschickt.
Status: in Bearbeitung.
Und das Beste:
Die Therapeutin meinte, so eine gute Bewerbung habe sie selten gesehen.
Das hat mir wirklich Mut gemacht.
Und die große Frage:
Wie erkläre ich die Lücke im Lebenslauf?
Meine Antwort: Gar nicht groß.
Ich habe einfach geschrieben:
„Nach einer beruflichen Unterbrechung stehe ich nun wieder uneingeschränkt für eine neue Tätigkeit im Verwaltungsumfeld zur Verfügung und strebe eine langfristige Beschäftigung an.“
Man muss nicht immer alles erklären.
Man darf auch Dinge für sich behalten.
🧚🏻 Eine neue (eigentlich auch alte) Mission
Ich habe mir etwas vorgenommen:
Bis Ende der Therapie keine Intimitäten.
Niemand kommt näher an mich ran.
Das klingt vielleicht für manche unspektakulär.
Für mich ist es ein riesiger Schritt.
Früher:
Ich konnte schlecht allein sein.
Habe mich viel um andere gekümmert.
People Pleasing Deluxe.
Jetzt:
Ich bleibe bei mir.
Und es fühlt sich überraschend gut an.

💬 Suchtgedächtnis – dieser eine Gedanke
Ein Thema, das ich in die Gruppe eingebracht habe:
das Suchtgedächtnis.
Manchmal taucht ein Gedanke auf.
Ganz leise.
Ganz logisch klingend.
„Ein bewusster Rückfall – nur um zu verstehen.“
Nicht, weil ich wirklich zurück will.
Sondern weil mein Kopf verstehen möchte:
Was hat mir der Konsum gegeben?
Was habe ich damit betäubt?
Welches Bedürfnis stand dahinter?
Die Wahrheit ist:
Ich kenne die Antwort eigentlich schon.
Deshalb machen wir hier etwas Spannendes:
Wir verabschieden uns bewusst von der Sucht.
Mit Abschiedsbriefen.
Mit Trauerarbeit.
Mit Ehrlichkeit.
Und ich merke:
Allein offen darüber zu sprechen nimmt diesem Gedanken viel Macht.
🥱 Therapiemüde?
Viele hier werden irgendwann therapie-müde.
Ich nicht.
Im Gegenteil.
Ich war neugierig.
Motiviert.
Hungrig nach Erkenntnissen.
Ich wollte verstehen:
Warum ich so bin.
Wie ich funktioniere.
Wie ich mein Leben neu ausrichten kann.
Und genau das nehme ich von hier mit.

🌿 Fazit – kurz vor dem Ziel
Ich stehe gerade irgendwo zwischen Abschluss und Anfang.
Zwei Wochen noch.
Und ehrlich gesagt fühlt es sich manchmal unwirklich an, dass diese intensive Zeit bald vorbei sein soll.
Hier ist so viel passiert:
in meinem Kopf,
in meinem Herzen,
in meiner Sicht auf mich selbst.
Ich habe Dinge ausgesprochen, die ich mein ganzes Leben lang nicht benennen konnte.
Ich habe Gefühle zugelassen, vor denen ich früher weggelaufen bin.
Ich habe verstanden, warum ich manches tue, denke oder fühle.
Nicht alles ist gelöst.
Manches wird mich vermutlich noch lange begleiten.
Aber etwas hat sich verändert:
Ich sehe mich klarer.
Ich nehme mich ernster.
Und ich laufe nicht mehr vor mir selbst weg.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Erfolg dieser Reha.
Nicht perfekt zu werden.
Nicht „geheilt“ zu sein.
Sondern bewusster.
Stärker.
Und ehrlicher mit mir selbst.
Und während hier langsam der Endspurt beginnt, merke ich:
Ich gehe nicht mehr als die Person nach Hause, die hier angekommen ist.
Ich gehe als jemand, der gelernt hat,
sich selbst zuzuhören. 🌿






















































































